Presse | Presse |
|
|
|
Seite 1 von 16 Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung. Ein Finale mit schalem BeigeschmackTitelverteidiger RSV Weil unterliegt RHC Diessbach im Schweizer Rollhockey-Pokal-Endspiel mit 4:5 / Weil spielt unter Protest. ROLLHOCKEY. Der RSV Weil hat auch im Schweizer Rollhockeypokal seinen Titel nicht verteidigen können. Nach einer überaus spannenden, intensiven, emotionalen, aber trotz zahlreicher Karten weitgehend fairen Partie mussten sich die Weiler im Rollerdome des RHC Friedlingen vor rund 650 Zuschauern dem RHC Diessbach im Endspiel knapp mit 4:5 (1:2) Toren geschlagen geben. Kein Wunder, dass die Diessbacher, die sich im fünften Saisonvergleich mit Weil erstmals durchsetzten, ihren Triumph mit rund 100 mitgereisten Fans enthusiastisch feierten. Hingegen musste sich Double-Gewinner des Vorjahres nach der Vizemeisterschaft nun auch im Cup mit Platz zwei begnügen. Überschattet wurde das Finale, das in Friedlingen einen würdigen Rahmen erhielt, indes von einer gleichermaßen fragwürdigen wie undurchsichtigen Maßnahme im Vorfeld, aufgrund derer der RSV Weil sich stark benachteiligt fühlte und daher nur unter Protest antrat. Die Weiler reagierten empört und mit Unverständnis. "Diese Entscheidung ist unprofessionell, die pure Willkür und eine absolute Frechheit, damit macht sich der Schweizer Verband nur lächerlich", erregte sich Ron Schneider, der als RSV-Trainer letztmals an der Bande stand. "Vor dem Spiel hat Präsident Braun mir nur gesagt, die Sperre sei aufgehoben worden, begründet hat er es nicht." Verbandsverhalten erinnert Wenger an Bananenrepublik Ähnlich wie der Berner Coach reagierte sein Schweizer Landsmann Samuel Wenger nach seiner finalen Partie als Aktiver: "Das ist ein totaler Skandal. Das gibt es in keiner anderen Sportart", schimpfte der frühere Schweizer Vize-Weltmeister und fühlte sich gar an irgendwelche Bananenrepubliken erinnert. "Bisher habe ich immer gedacht, so etwas gibt es vielleicht höchstens in Mombasa, aber nicht in einem zivilisierten mitteleuropäischen Land mit einer Demokratie wie der Schweiz. Man muss sich fragen, was Tatsachenentscheidungen von Schiedsrichtern noch wert sind. Wenn der Verband das macht, muss er vorher entscheiden." An Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ auch das Urteil von RSV-Torhüter Daniel Dietrich, ebenfalls ein Schweizer. "Das ganze ist unter aller Sau. Bislang hieß es immer, gegen eine Tatsachenentscheidung kann man keinen Rekurs einlegen. Und dann wird die Entscheidung über Nacht aufgehoben, ohne dass wir reagieren können und ohne, dass uns das vorher mitgeteilt wird", sagte der einstige Diessbacher. Bezeichnend war denn auch Ron Schneiders Antwort auf die Frage, ob der Verband etwa unbedingt einen Schweizer Cupsieger haben wollte. "Solche Entscheide lassen keine anderen Rückschlüsse zu." Dazu passt das geringe Fingerspitzengefühl bei der Ansetzung des Schiedsrichtergespanns. Denn einer der Unparteiischen war Markus Grossniklaus. Ausgerechnet jener hatte Kissling gegen Thun Rot gezeigt. "Dadurch war er jetzt vorbelastet, der Verband hätte reagieren und einen anderen Referee aufbieten müssen", befand Dietrich. Tatsächlich wurden die Weiler durch die Schiedsrichter sicher nicht bevorteilt. Die Gründe für die Niederlage müssen die sie aber bei sich selbst suchen. Schließlich hatten sie ein klares Übergewicht an Ballbesitz und Chancen. "Diessbach hat verdient gewonnen", waren sich Schneider und Wenger einig. "Sie waren cleverer im Verwerten der Chancen. Und sie haben äußerst diszipliniert und mit Kopf gespielt, speziell Kissling, der ja bisweilen ein Heißsporn ist." Dieses Verhalten habe man intensiv im Training geprobt, erläuterte Diessbachs überglücklicher Coach Klaus Meier. "Wir wussten, dass auch die Zahl der Karten entscheidend sein könnten. Um Karten zu vermeiden, mussten wir sehr diszipliniert sein." Dabei lief zunächst alles für den RSV Weil, als Sirak Abraha eine Vorlage von Sascha Wörner aus kurzer Distanz zum 1:0 ins Netz drückte (12.). Doch kurz darauf waren die Weiler bei einem Diessbacher Freistoß unaufmerksam, so dass der Portugiese Eduardo Rodrigues schlitzohrig zum 1:1 ausglich (15.). Nur 30 Sekunden später entschieden die Referees zum Entsetzen der Weiler auf Penalty für Diessbach. "Samuel Wenger hat einen Diessbacher gegen Weils Torhüter gedrückt", lautete die Begründung. Fabian Schneider verwandelte sicher zum 1:2. Diessbach erwidert Weiler Ausgleich zweimal mit sofortiger Führung Fortan liefen die Weiler einem Rückstand nach. Zwar glichen sie durch Marc Werner (27.) und einen fulminanten Weitschuss von Pascal Ingold (41.) noch zweimal aus. Doch jeweils nur 30 Sekunden später antwortete Diessbach sofort wieder mit der Führung. Nach gelb-blauer Karte gegen Max Bross erzielte Hannes Wegmüller in Überzahl das 2:3 (28.), und Rodrigues traf zum 3:4 (41.). Die Vorentscheidung fiel, als Dominique Kaul, frisch eingewechselt, den davon eilenden Kissling von den Beinen holte, dafür die blaue und nach weiterem Foul sogar die Rote Karte sah. Den fälligen Penalty verwandelte Wegmüller zum 3:5 (46.). Zwar verkürzte Max Bross auf 4:5 (49.), aber zu mehr reichte es trotz Überzahl in den letzten 38 Sekunden nicht, als Wörner und Daniel Guedelha am starken Diessbacher Keeper Ricardo Figueiredo scheiterten. |
||||||||||||||||||
| Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 4. August 2010 ) | ||||||||||||||||||







